9 Februar 2026

Wie der Apotheker Franz Kolb in München Plastilin erfand

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Aufgrund unterschiedlicher Patentrechte gibt es weltweit verschiedene Versionen darüber, wer Plastilin tatsächlich erfunden hat. In Großbritannien wird beispielsweise der Künstler William Harbutt als Erfinder angesehen, in Deutschland hingegen der Apotheker Franz Kolb. Wie dem auch sei, Kolbs deutsches Patent datiert aus dem Jahr 1880, während das britische von Harbutt erst 1897 angemeldet wurde. Die genaue Formel dieser beiden Produkte unterscheidet sich.

Franz Kolb war weder Wissenschaftler noch besaß er außergewöhnliche Fähigkeiten. Er lebte in München und arbeitete in einer Apotheke. Mehr über die Erfindung finden Sie weiter bei imunich.eu.

Angebot aus Nachfrage

München am Ende des 19. Jahrhunderts war ein wahres Zentrum der Künste. Die Stadt beherbergte viele Künstler, Bildhauer, Schriftsteller und Musiker, mit denen Franz Kolb enge Freundschaften pflegte. Künstler und Bildhauer wandten sich oft an ihn, um Lösungen für Farben und andere Materialien zu finden.

Einmal erzählten ihm die Künstler von ihrem Problem, einen formbaren Stoff zu benötigen, der gegen Austrocknung und Temperaturschwankungen beständig war. Wenn ein Modell aus Ton über den Winter in einem kalten Atelier blieb (die meisten Ateliers befanden sich auf Dachböden oder Mansarden), fror der Ton ein. Nach dem Auftauen war er oft nicht mehr verwendbar.

Im Jahr 1880, nach zahlreichen Experimenten, erfand Franz Kolb schließlich das gesuchte Material, das heute als Plastilin bekannt ist. Er nannte die Erfindung „Kunst-Modellierton“. Kolb stellte Plastilin aus Tonpulver, Wachs, Fett und einigen anderen Substanzen her. Das Material erlangte schnell Popularität unter deutschen Bildhauern. Interessanterweise leitet sich das Wort „Plastilin“ vom altgriechischen „plastos“ ab, was „geformt“ bedeutet.

Das Unternehmen zur Herstellung von Plastilin

Im Jahr 1890 gründete Franz Kolb das Unternehmen zur Massenproduktion von Plastilin, Franz Kolb Nachf. Unter dieser Marke wurde das Material verkauft. Die Firma existiert bis ins 21. Jahrhundert, allerdings unter dem Namen „Kolb Design Technology“. Ihr Hauptprodukt sind elastische Modelliermassen für Bildhauer, deren Namen das Wort „Clay“ enthalten. Diese Tonmassen eignen sich für große und naturgetreue Modelle, wie beispielsweise für das Autodesign oder hohle Bauteile. Sie sind nach Erwärmung weich und bei Raumtemperatur fest. Das Material ist stabil genug, um Befestigungsteile mit Schrauben oder Nägeln anzubringen.

Einige interessante Fakten über Plastilin

  • Bevor Plastilin zum Kinderspielzeug wurde, verwendete man es zum Entfernen von Ruß und Schmutz von Wandbelägen, indem man verschmutzte Oberflächen damit abwischte.
  • In der Zeit, als Plastilin noch ein Haushaltsprodukt war, wurde es nur in einer Farbe – Grau – hergestellt. Als das Material in den 1950er Jahren als Spielzeug auf den Markt kam, fügte man Farbstoff hinzu. So entstanden die vier Hauptfarben: Rot, Gelb, Blau und Grün.
  • 1998 wurde Plastilin in die National Toy Hall of Fame in Rochester, New York, aufgenommen.
  • Als biometrische Scanner weniger ausgereift waren, entdeckte man, dass man mit Plastilin Fingerabdrücke nachformen konnte, um Fingerabdruck-Scanner zu täuschen. Im Jahr 2005 konnte man damit 90 % aller Scanner überlisten, doch die Technik hat sich seitdem stark weiterentwickelt.
  • Der charakteristische Geruch von Plastilin inspirierte 2017 das amerikanische Spielzeugunternehmen Hasbro zur Herstellung eines speziellen Duftes. Hasbro beschrieb diesen als „eine einzigartige Kombination aus einem süßlichen, leicht moschusartigen Vanilleduft mit einer dezenten Kirschnote und dem natürlichen Geruch von salzigem Weizenteig“.
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