9 Februar 2026

Herz-Jesu-Kirche. Der Glaswürfel von Neuhausen

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Die Geschichte der Menschheit ist eng mit dem Glauben verbunden, und über viele Jahrhunderte hinweg waren Kirchen dessen materielle Verkörperung. Eine Kirche steht für Gebet und spirituelles Wachstum, doch sie ist auch ein Spiegelbild von Größe, Formenvielfalt und tiefgründiger Symbolik. Ein beeindruckendes Beispiel hierfür in München ist die katholische Pfarrkirche Herz Jesu. Erfahren Sie mehr über diese faszinierende Kirche auf imunich.eu.

Die Vorgängerkirchen

Die erste Herz-Jesu-Kirche in München befand sich in Neuhausen und war nach dem Wanderprediger Wintir benannt, der Oberbayern christianisierte. Im Jahr 1890 wurde Neuhausen in die Stadt eingemeindet und die Kirche geweiht.

Aufgrund des rasanten Bevölkerungswachstums wurde die Kirche bald zu klein, weshalb der Bau eines größeren Gotteshauses beschlossen wurde. Das geschah zügig, denn das Grundstück für diesen ehrenwerten Zweck wurde der Gemeinde geschenkt. Der Architekt Johann Evangelist Marggraff nutzte dafür die Holzkonstruktion der ehemaligen Festhalle des VII. Deutschen Turnfestes auf der Theresienwiese.

Die Pfarrei behielt den Namen Mariä Himmelfahrt bei, doch die Kirche wurde dem Heiligsten Herzen Jesu geweiht. Später wurde auch die Pfarrei in „Herz Jesu“ umbenannt. Die Orgel wurde 1940 installiert. Es ist bekannt, dass die erste Herz-Jesu-Kirche am 12. Juli 1944 durch alliierte Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg abbrannte. Nach der Zerstörung gestaltete der Architekt Friedrich Haindl das Gebäude von 1948 bis 1951 zu einer Pfarrkirche um. Interessanterweise wurde die Kirche im Planungsantrag als „Notkirche“ beschrieben.

Was ist über die zweite Kirche bekannt?

Die zweite Herz-Jesu-Kirche zeichnete sich durch besondere Merkmale aus. So wurde beispielsweise ein Teil der ehemaligen Kino- und Theaterhalle der Adolf-Hitler-Wache vom Obersalzberg für ihren Bau verwendet. Auch der Innenraum der Kirche war bemerkenswert:

  • Das Herzstück bildete eine beeindruckende 23 Meter hohe Holzdecke. Besucher erlebten hier eine unglaubliche Weite und Erhabenheit, die viele beflügelte und inspirierte.
  • Dieser Raum wurde von 16 Holzstützen getragen.
  • Das Mittelschiff maß 22,74 Meter in der Breite, während die beiden Seitenschiffe jeweils 5,7 Meter breit waren.
  • Die Kirchenbänke boten Platz für 1200 Personen.

Besonders hervorzuheben ist die außergewöhnlich gute Akustik der Kirche, die oft mit der eines Konzertsaales verglichen wurde. Musikalische Veranstaltungen fanden hier häufig statt. So wurde beispielsweise 1953 eine Walcker-Orgel (Ludwigsburg) mit 75 Registern installiert. Zu dieser Zeit war sie die zweitgrößte Orgel in München. Eine weitere interessante Besonderheit dieser Kirche war ihre umfangreiche Sammlung neuer und alter Kunstwerke. Diese Sammlung wurde dank Leihgaben, Spenden und Ankäufen während der langen Amtszeit von Pfarrer Fritz Betzwieser stetig erweitert und beeindruckte die Besucher immer wieder.

Die zweite Herz-Jesu-Kirche ereilte ein ähnliches, tragisches Schicksal wie ihre Vorgängerin. In der Nacht vom 25. auf den 26. November 1994 wurde die Kirche durch einen Brand vollständig zerstört. Es grenzte an ein wahres Wunder, dass das Knappe-Kruzifix, zwei Glasfensterarbeiten von Richard Seewald und drei Bronzetüren von Mikorey erhalten blieben.

Die heutige Herz-Jesu-Kirche

Sie wurde zwischen 1997 und 2000 nach den Plänen des deutschen Architekturbüros „Allmannwappner“ erbaut, das 1987 in München gegründet wurde. Schnell avancierte diese Kirche zu einem der meistbesuchten spirituellen Orte Münchens. Nach dem verheerenden Brand gelang es der neuen Kirche, wie ein Phönix aus der Asche aufzuerstehen und Funktionalität mit tiefem Symbolismus zu vereinen.

Am 26. November 2000 fand ein bedeutsames Ereignis statt: Kardinal Friedrich Wetter weihte die Kirche. Sie wurde nach ihren Vorgängern benannt. Der Name der Kirche „Herz Jesu“ ist eine Hommage an das Heiligste Herz Jesu in der römisch-katholischen Spiritualität. Dies ist eine Art, Jesus Christus für seine Liebe zu ehren, symbolisiert durch sein Herz. Im Oktober 2004 folgten die Orgel- und Freskenweihe.

Besonderheiten der modernen Kirche

  1. Die Kirche besticht durch ihr minimalistisches Design und den großzügigen Einsatz von Glas. Besucher erleben eine beeindruckende Leichtigkeit und Transparenz, während natürliches Licht den Raum durchflutet.
  2. Oft wird die Kirche aufgrund ihres äußeren Erscheinungsbildes als „gläserner Kubus Neuhausens“ bezeichnet. Nach Ansicht des Architekten symbolisieren solche Formen die Idee des Bewahrens und Verbergens des Heiligen.
  3. Viele zieht es zu den riesigen Glasschiebetüren. Sobald sie sich öffnen, verwandelt sich der Innenraum in einen offenen Platz. Dies erinnert Stadtbewohner und Besucher Münchens zusätzlich daran, dass die Herz-Jesu-Kirche alle herzlich willkommen heißt.
  4. Ein faszinierender Kontrast entsteht durch die untypische Kombination von Beton, Glas und Holz.

Der Innenraum der neuen Kirche ist schlicht gehalten, wobei der Altarbereich besonders betont wird. Hier fehlen überflüssige Details, was die Konzentration auf das Wesentliche ermöglicht – auf den Glauben und alles Spirituelle. Bemerkenswert ist auch, dass die bei dem vorherigen Brand erhaltenen Artefakte in der modernen Kirche integriert wurden. Sie dienen als stille Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Die Einzigartigkeit der Kirche

Die Herz-Jesu-Kirche unterscheidet sich deutlich von einer traditionellen katholischen Pfarrkirche. Das Erste, was Besucher sehen, ist der Glaskubus und eine nahezu quadratische Fassade von 20 mal 16 Metern. Dies unterstreicht die Linearität skandinavischer Architektur, und an der Fassade befinden sich Doppeltüren, die sich öffnen lassen.

Die Kirche gilt als Juwel der Münchner Architekten „Allmannwappner“, die in ganz Europa bekannt sind.

Aufmerksame Besucher können auf den blauen Glaspaneelen eine keilschriftartige Inschrift von Alexander Beleschenko entdecken: „Passion nach Johannes“. Indem der Künstler weiße Nägel an den Toren anbrachte, ordnete er sie nicht nur nach seinem eigenen Alphabet an, sondern wählte diese Methode auch, um die Geschichten der Passion Christi nach Johannes zu erzählen.

Die Herz-Jesu-Kirche in München ist einzigartig, da sie die größten Kirchentore der Welt besitzt. Ihre Architektur sticht wirklich aus anderen Kirchengebäuden hervor. Wenn man sich der Kirche nähert, sind die Tore beeindruckend, da sie sich praktisch über die gesamte Kirchenfassade erstrecken. Es sei darauf hingewiesen, dass die Tore nur an hohen Feiertagen geöffnet sind; an gewöhnlichen Tagen betreten Besucher die Kirche durch zwei kleinere Türen.

Das Tor besteht aus zwei Schichten blauen Glases: Die erste ist heller, die zweite etwas dunkler. Bei der richtigen Beleuchtung wird an dieser Stelle ein Kreuz sichtbar.

Kirchturm, Glocken und Orgel

Die Kirchturmhöhe erreicht 37 Meter, die Grundfläche beträgt 4 m x 6 m. Er setzt einen vertikalen Akzent auf das flache Volumen des Kirchengebäudes. Der Kirchturm ist vom Gebäude durch einen Glockenstuhl mit einem fünfstimmigen Bronzegeläut in der Melodie des Westminster-Geläuts getrennt. Interessanterweise wurden alle Glocken im Jahr 2000 von der deutschen Glockengießerei Rudolf Perner gegossen. Jede Glocke trägt einen Namen (Petrus, Wintir, Nikolaus, Mariä Himmelfahrt, Totenglocke) und unterscheidet sich in Gewicht, Durchmesser und Schlagton.

Wie bereits erwähnt, wurde die Orgel in der Herz-Jesu-Kirche im Jahr 2003 feierlich eingeweiht. Sie wurde in der Werkstatt des Marburger Orgelbauers Gerald Woehl gebaut. Die Orgel wurde zur Verbesserung der Akustik in einem Betonkorpus eingeschlossen. Der Orgelraum der Kirche wurde als Resonanzraum konzipiert. Dadurch wurde der sichtbare Teil der Orgel verborgen. Das Instrument verfügt über 63 Orgelregister, die auf drei Manuale und ein Pedalwerk verteilt sind. Ursprünglich war geplant, dass das Instrument 67 Orgelregister haben sollte.

Anfahrt zur Kirche

Die Kirche befindet sich in der Lachnerstraße 8 im Münchner Stadtteil Neuhausen. Sie ist bequem zu Fuß vom Rotkreuzplatz aus zu erreichen, einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt. Hier gibt es eine U-Bahn-Station und Straßenbahnhaltestellen, wodurch dieser Stadtteil leicht zugänglich ist.

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