Das Europäische Radiochirurgie-Zentrum München (Europäisches Radiochirurgie Centrum München) befindet sich in der Klinik Klinikum Großhadern. Diese Klinik ist Teil des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität München. Im Zentrum arbeiten erfahrene Fachkräfte mit modernster Technologie und bieten den Patienten die neuesten Möglichkeiten der Radiochirurgie. Das Zentrum ist zu einem der weltweit führenden Einrichtungen auf diesem Gebiet geworden. Mehr über die eingesetzten Technologien, die das Leben von Millionen Patienten retten, lesen Sie weiter auf imunich.
Erfolgreiche Behandlung mit CyberKnife
1994 begannen Münchner Radiochirurgie-Experten mit der Arbeit an der CyberKnife-Technologie. Dieses Gerät ermöglicht die nicht-invasive Behandlung von Tumoren, die an Stellen liegen, die für traditionelle Chirurgie nicht zugänglich sind. Bis 2005 konnten 3.500 Patienten behandelt werden.

2005 eröffneten Münchner Mediziner zusammen mit dem Klinikum der Universität München und der Versicherungsgesellschaft AOK Bayern das Europäische Radiochirurgie-Zentrum München (ERCM). In den ersten beiden Jahren nach seiner Gründung wurden im ERCM über 1.000 Tumorentfernungen mittels Radiochirurgie durchgeführt.
Übrigens ist die Radiochirurgie eine Methode der Strahlentherapie, die darin besteht, krankhafte Prozesse mit einer einmaligen hohen Dosis ionisierender Strahlung zu bestrahlen. Dies ist eine nicht-invasive Methode zur Behandlung von Tumoren, die ohne jegliche Schnitte zum biologischen Absterben pathologischer Zellen führt. Die Radiochirurgie bietet viele Vorteile gegenüber anderen Methoden der Krebsbehandlung, beispielsweise ermöglicht sie die Behandlung tief im Gehirn liegender bösartiger Erkrankungen. Der Eingriff ist schmerzlos, jedoch kann aufgrund von Gewebeschwellungen ein gewisses Unwohlsein am Tag oder einige Tage nach der Bestrahlung auftreten.
2008 wurde die Behandlungsmethode mit CyberKnife erfolgreich in der Neurochirurgie eingeführt. In diesem Jahr erschien eine wissenschaftliche Veröffentlichung über die erfolgreiche Behandlung von Aderhautmelanomen (bösartige Augentumoren) mit robotergestützter Technologie. Experimente an 20 Patienten bewiesen, dass die Anwendung von CyberKnife den Patientenkomfort bei Tumorerkrankungen steigert. Darüber hinaus wurde die weltweit größte Studie über Wirbelsäulenmetastasen (an 107 Patienten) durchgeführt, die eine sichere und wirksame Behandlung von Wirbelsäulentumoren mit CyberKnife demonstrierte.
2009 wurden im Zentrum 2.000 Patienten mit verschiedenen Tumoren behandelt. Ein Jahr später erschienen neue Forschungsergebnisse, die den Erfolg der Behandlung von Lebermetastasen bei Darmkrebs mittels CyberKnife bewiesen. 2011 bewiesen die Wissenschaftler die Sicherheit und Wirksamkeit der Behandlung von Wirbelsäulenmetastasen mit CyberKnife, allerdings als ergänzende Methode nach vorheriger Standardbestrahlung. Zwei Jahre später wurde im ERCM das moderne CyberKnife M6-Gerät eingeführt, was die Behandlungszeit erheblich verkürzte.
2014 wurden im Zentrum mit dieser Methode mehr als 5.000 Patienten mit Tumoren im Schädel-Hirn-Bereich, in den Augen, der Wirbelsäule, den Lungen, der Leber und den Nieren behandelt. Bis 2016 wurden mehr als 10.000 radiochirurgische Eingriffe durchgeführt und etwa 200 wissenschaftliche Artikel veröffentlicht. Seit 2018 werden im ERCM auch Patienten mit Prostatakrebs behandelt.
Medizinische Digitalisierung
2009 führte das Europäische Radiochirurgie-Zentrum München Online-Konsultationen über Skype ein, um Patienten aus ganz Deutschland und anderen Ländern zu helfen. 2020 stellte das Zentrum seinen Patienten die App My Cyberknife vor, die Patienten während des gesamten Behandlungsprozesses online begleitet. Die App sorgt für einen reibungslosen und erfolgreichen Heilungsverlauf. Sie erinnert den Patienten an wichtige Termine und bietet umfassende Informationen zu allen Behandlungsschritten. Die My Cyberknife-App funktioniert im Offline-Modus, sodass keine ständige Internetverbindung erforderlich ist. Alle Informationen sind vertraulich, und jeder Patient kann sicher sein, dass seine medizinischen Daten anonym und geschützt bleiben.
Die ZAP-X-Technologie
2021 wurde im Zentrum die hochspezialisierte ZAP-X-Technologie eingeführt. Sie wurde speziell für die vereinfachte Behandlung von Tumoren im Kopf- und Halsbereich entwickelt. Diese innovative Technologie kann effektiv in spezialisierten Kliniken und sogar in Arztpraxen eingesetzt werden, da sie keine zusätzliche Strahlenschutzvorrichtung benötigt.

Früher bestand der traditionelle Behandlungsplan für Hirntumoren aus Chemotherapie, Strahlentherapie und chirurgischen Eingriffen. ZAP-X ist das erste seiner Art, das für die Behandlung von gutartigen und bösartigen intrakraniellen und spinalen Erkrankungen ohne chirurgischen Eingriff entwickelt wurde.
ZAP-X ist ein autonomes und selbstgeschütztes Radiochirurgiesystem. Es ist in der Lage, Tumoren im Kopf- und Halsbereich mit hoher Präzision hohe Strahlendosen zuzuführen. Im Gegensatz zur offenen Gehirnchirurgie erfordert ZAP-X keine Schädelöffnung und keine Freilegung von Hirngewebe. ZAP-X wird ambulant und ohne Anästhesie durchgeführt.
Interessanterweise wurde ZAP-X, ebenso wie CyberKnife, von Dr. John R. Adler – Professor für Neurochirurgie und Strahlenonkologie an der Stanford University – entwickelt. Die ZAP-X-Technologie wurde 2014 erstmals vorgestellt.