9 Mai 2026

Das Olympiastadion München: Ein lebendiges Stück Geschichte

Related

Hubert Haupt: Vom Kartsport zum großen Geschäft

Hubert Haupt hat einen großen Beitrag zur Entwicklung des...

Verlassenes Sanatorium „Wiedemann-Sanatorium“

Das „Wiedemann-Sanatorium“ war einst eine bayerische Elite-Kureinrichtung, doch heute...

Wassersport in München: vom Surfen bis zur Yoga auf dem Wasser

München bietet unzählige Möglichkeiten für Wassersportaktivitäten. Zum Ozean ist...

Share

Im Zentrum des Olympiaparks München befindet sich das Olympiastadion. Erbaut für die Olympischen Sommerspiele 1972, wurde es zu einem Ort sportlicher Erfolge und ist Austragungsort von Wettkämpfen und kulturellen Veranstaltungen. Mehr zur Geschichte, den architektonischen Details und weiteren Aspekten erfahren Sie auf imunich.eu.

Austragungsort der Olympischen Spiele

Das Olympiastadion München wurde anlässlich der Olympischen Sommerspiele 1972 gebaut und bot ursprünglich 80.000 Plätze. Entworfen wurde es von dem deutschen Architekten Günter Behnisch, der durch den Bau des Parlaments der Bundesrepublik Deutschland in Bonn Berühmtheit erlangte. Behnisch erhielt Unterstützung von einem weiteren bekannten Architekten – Frei Paul Otto.

Zum Zeitpunkt seiner Eröffnung galt das Stadion als innovativ. Die Stahlseile, die als Träger für die großen Dächer aus Acrylglas fungieren, ahmen die Alpen nach. Die transparenten und weitläufigen Glasdächer symbolisieren das neue, demokratische und hoffnungsvolle Deutschland und sind eine physische Darstellung des Mottos der Münchner Olympiade – Die Heiteren Spiele. Symbolik entsteht auch durch die Tatsache, dass diese Struktur in einer Zeit der Depression entstand, die durch die Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs verursacht wurde. Das Stadion erwachte wie ein Phönix aus der Asche von Krieg und Leid.

Die festliche Atmosphäre rund um die Olympischen Spiele wurde durch ein Attentat überschattet. Sechs Tage vor dem Ende der Spiele drangen acht palästinensische Terroristen in das Olympische Dorf ein, in dem die Athleten untergebracht waren. In einem der Wohngebäude fand das Münchner Massaker statt. Die Palästinenser töteten zwei Mitglieder des israelischen Teams. Neun weitere Israelis wurden als Geiseln genommen, da die Terroristen die Freilassung von 200 palästinensischen Gefangenen in Israel forderten.

Bei einem Schusswechsel zwischen den Terroristen und der Polizei wurden alle Geiseln, fünf ihrer Entführer und ein westdeutscher Polizist getötet. Die Tragödie unterbrach die Spiele für einen Tag, während im Olympiastadion eine Trauerfeier für die Opfer stattfand. Das Attentat führte dazu, dass die Sicherheitsmaßnahmen in den Olympischen Dörfern bei allen nachfolgenden Olympischen Spielen verschärft wurden.

Nach den Spielen wurde das Stadion zum Heimstadion des Fußballclubs Bayern München, und ab den 1990er Jahren teilte der FC Bayern es mit dem Rivalen TSV 1860 München. Beide Clubs zogen 2005 in die Allianz Arena um.

Historische Ereignisse

1974 war das Olympiastadion Austragungsort der entscheidenden Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft – dem Spiel um Platz 3 und dem Finale. In diesem Jahr gewann Deutschland (damals Westdeutschland) seinen zweiten Weltmeistertitel, indem es die Niederlande besiegte.

Das Stadion war auch der Ort, an dem der englische FC Nottingham Forest 1979 den Europapokal der Landesmeister gewann. 1997 holte Borussia Dortmund hier die UEFA Champions League.

2006 wurde das Münchner Stadion zum ersten Austragungsort von Skilanglaufrennen bei der Tour de Ski. Hier fand auch der Europacup in der Leichtathletik 2007 statt, ebenso wie das UEFA Women’s Champions League Finale und einige Spiele der Euro 1988.

Austragungsort von Air & Style

Seit 2005 ist das Stadion Gastgeber des Air & Style – einem europäischen Snowboard-Event, das erstmals 1994 in der österreichischen Stadt Innsbruck stattfand. 1999 verfolgten über 45.000 Besucher das letzte Air & Style in Innsbruck, als sechs Menschen in einer Menschenmenge ums Leben kamen.

Fünf weitere Veranstaltungen fanden in der Gemeinde Seefeld in Tirol bei Innsbruck statt. Im Jahr 2005 fand das jährliche Event schließlich in München eine neue Heimat. Das Programm wurde um Motocross-Wettkämpfe erweitert. Bei einigen Air & Style-Events treten auch bekannte Künstler auf. Die Auftritte wechseln sich mit den Sportwettkämpfen ab.

Veranstaltungsort für Konzerte und Film

Neben Sportveranstaltungen finden im Stadion regelmäßig Konzerte und Musikveranstaltungen statt. Hier traten unter anderem Michael Jackson, Bruce Springsteen, Diana Ross, Madonna, Simon & Garfunkel, Tina Turner, Metallica, Elton John, Coldplay, Sting und viele andere Stars auf.

Das Olympiastadion erschien auch in dem amerikanischen Science-Fiction-Film „Rollerball“ von 1975, der über die gleichnamige Sportart erzählt. Die Wettkämpfe zwischen den Teams finden in der Arena auf einer Bahn statt, auf der die Sportler auf Rollschuhen und Motorrädern versuchen, einen Ball in eine spezielle Falle zu werfen.

Das Zeltdach

Das Dach des Olympiastadions, das Stadion, Laufbahnen und Schwimmbäder überspannt und verbindet, wurde mithilfe computergestützter mathematischer Verfahren entwickelt. Zur Zeit der Eröffnung des Stadions war es eine architektonische Sensation.

Die transparente Oberfläche symbolisiert Leichtigkeit und Offenheit. Sie ermöglichte auch die Übertragung der Olympischen Sommerspiele 1972 in Farbe – eine Technologie, die sich damals noch in den Anfängen befand. Diese Farbübertragung erforderte so viel Licht wie möglich, daher war eine Holz- oder Betonkonstruktion undenkbar.

Die Baufirma Olympic führte umfangreiche Tests durch, um das geeignete Material für die Dacheindeckung zu finden. Glasfaserverstärktes Polyesterharz wurde wegen seiner unzureichenden Feuerbeständigkeit ausgeschlossen. Polyester-Planen mit PVC-Beschichtung waren ebenfalls ungeeignet: Sie wären zwar kostengünstig gewesen, waren jedoch nicht transparent genug und zu schwer zu installieren.

Schließlich entschied sich Olympic für Acrylglas, das durch seine unvergleichliche Transparenz beeindruckte. Einige Platten wurden zur besseren Sonnenschutz in hellgrau gefärbt. Um den Brandschutzbestimmungen zu entsprechen, wurde das Material speziell für diese Konstruktion gedehnt und mit einem speziellen Flammschutzmittel behandelt.

Das Herz des Olympiaparks

Das Olympiastadion befindet sich im Olympiapark, der ebenfalls für die Olympischen Spiele 1972 gebaut wurde. Im Münchner Stadtteil Oberwiesenfeld gelegen, ist der Park ein Veranstaltungsort für kulturelle, soziale und religiöse Veranstaltungen. Das Gelände zieht ganzjährig Besucher mit Konzerten, Festivals und Sportereignissen an, und das Schwimmzentrum sowie die Eishalle sind für die Öffentlichkeit zugänglich.

Das gesamte Gelände besteht aus vier separaten Unterzonen:

  • Die Olympische Zone mit den olympischen Sportstätten, darunter das Olympiastadion, die Olympiahalle mit dem Olympiaturm sowie das Schwimmzentrum;
  • Das Olympische Dorf, das in Bereiche für Männer und Frauen unterteilt ist;
  • Das Olympische Pressezentrum, das auch ein Einkaufszentrum umfasst;
  • Der Olympiapark, der an die Olympische Zone im Süden grenzt und den Olympiaberg und den Olympiasee enthält.

Besonders bemerkenswert ist der Olympiaturm, der einen Panoramablick auf München bietet. Die Aussichtsplattform in 190 Metern Höhe eröffnet die beste Aussicht auf die Alpen. Hier ist auch das Zeltdach zu sehen. Der Turm hat eine Gesamthöhe von 291 m. Auf 182 m befindet sich ein Drehrestaurant mit 230 Plätzen. Der Olympiaturm dient auch als Fernsehturm.

Neben der internationalen Bedeutung als Zentrum für Events und Freizeit ist der Olympiapark ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die bayerische Landeshauptstadt. Große Veranstaltungen wie die Leichtathletik-Europameisterschaften 2002, das UEFA Champions League Festival, die X Games Munich 2013 oder die Europameisterschaften 2022 hatten positive Auswirkungen auf den Einzelhandel sowie die Hotel- und Gastronomiebranche der Stadt.

... Copyright © Partial use of materials is allowed in the presence of a hyperlink to us.