Die Fantasie von Michael Ende rief als Autor von Kinderbüchern großes Interesse hervor, insbesondere durch sein Werk Die unendliche Geschichte. Ende wurde oft als der letzte romantische Schriftsteller Deutschlands bezeichnet. Kritiker verurteilten ihn dafür, dass er Kinder zur Flucht vor der Realität ermuntere. Dennoch wurden seine Werke in 40 Sprachen übersetzt, und über 30 Millionen Exemplare wurden verkauft. Allerdings waren die Anfänge seiner Karriere in den 1950er Jahren alles andere als erfolgreich, wie imunich.eu berichtet.
Anfänge der Karriere
Michael Andreas Helmut Ende wurde am 12. November 1929 in der bayerischen Stadt Garmisch geboren. Er wurde einer der erfolgreichsten Kinderbuchautoren, und Die unendliche Geschichte wurde verfilmt und erlangte weltweit Anhänger. Seine anderen Werke, wie Momo und Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer, wurden ebenfalls international bekannt und sowohl verfilmt als auch auf Theaterbühnen adaptiert.
Ende war der Sohn des surrealistischen Malers Edgar Ende. Kurz nach seiner Geburt zog die Familie nach München, um seinem Vater bessere berufliche Chancen zu bieten. Doch die 1930er Jahre brachten der Familie große Schwierigkeiten, da die Werke seines Vaters vom NS-Regime als „entartete Kunst“ eingestuft und verboten wurden. Viele Freunde der Familie, darunter Juden, wurden deportiert, was dem jungen Michael schon früh beibrachte, über das, was zu Hause geschah, zu schweigen.
1943 kehrte die Familie nach Garmisch zurück. Mit 15 Jahren wurde Michael befohlen, Deutschland zu verteidigen, doch er weigerte sich und schloss sich der Bayerischen Freiheitskampagne an.
In den 1950er Jahren schrieb Ende sein Manuskript Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer. Er erzählte später, dass er, als er an der Schreibmaschine saß, keine Vorstellung davon hatte, worüber er schreiben würde; er ließ sich einfach von seinen Gefühlen von Satz zu Satz leiten. Im Laufe der Geschichte entwickelten sich neue Figuren.
Durch diesen Prozess entdeckte Michael das Schreiben als Abenteuer. Er verglich seine Arbeit mit der eines Malers, der oft nur eine vage Vorstellung vom fertigen Bild hat. Im Laufe der Zeit entsteht aus der anfänglichen Vision etwas Besseres.
Nach zehn Monaten war das Manuskript fertig. Doch zwölf Verlage lehnten Jim Knopf ab. Schließlich wurde es 1960 in Stuttgart veröffentlicht und gewann den Deutschen Jugendbuchpreis. Ab diesem Zeitpunkt wurde Jim Knopf sehr populär und verschaffte Michael Ende finanzielle Unabhängigkeit.
Ein weiteres sehr erfolgreiches Werk war der Fantasy-Roman Momo (1973), der über sieben Millionen Mal verkauft wurde. 1985 wurde der Roman von Johannes Schaaf verfilmt, und Ende hatte sogar einen kurzen Auftritt als Zugpassagier.
1979 erschien sein Fantasy-Roman Die unendliche Geschichte, der weltweit in einer Auflage von zehn Millionen Exemplaren verkauft und in 40 Sprachen übersetzt wurde. Der Höhepunkt seiner Popularität lag in den 1980er Jahren, und das Buch stand an der Spitze der Bestsellerlisten in Deutschland.

Nach Die unendliche Geschichte
Nach dem großen Erfolg von Die unendliche Geschichte wurde 1984 eine Verfilmung geplant, und der Produzent Bernd Eichinger übernahm das Projekt. Ende war zunächst begeistert, bis er den fertigen Film sah.
Die Geschichte des Romans dreht sich um einen Jungen, der unglücklich ist. Seine Mitschüler mögen ihn nicht, er hat schlechte Noten, und sein Vater beachtet ihn kaum. Dies schien das Spiegelbild von Michael Endes eigener Kindheit zu sein. Doch anders als im Leben des Autors geschieht im Roman ein Wunder: Der Junge flieht vor Schlägern und gelangt in ein Antiquitätengeschäft, wo ihm der Besitzer ein Buch schenkt, das ihn in ein Abenteuer führt.
Der Autor bezeichnete die Verfilmung als „gigantisches Melodrama aus Kitsch, Plüsch, Plastik und Kommerz“. Er war enttäuscht, dass der Film die innere Logik des Buches und dessen zentrale Botschaft nicht vermittelte. Daher wurde Endes Name aus dem Abspann entfernt, und sein Rechtsstreit gegen die Filmemacher blieb erfolglos.
1983 veröffentlichte Ende eine Sammlung surrealistischer Geschichten unter dem Titel Der Spiegel im Spiegel. Leider standen die deutschen Kritiker nicht auf seiner Seite; Marcel Reich-Ranicki äußerte sich abfällig, indem er sagte, dass er das Phänomen Ende nicht einmal kommentieren wolle.
In dieser Zeit starb Endes erste Frau, Ingeborg Hoffmann, mit der er eine besondere Verbindung hatte. Sie diskutierten Manuskripte und unvollendete Romane miteinander. Ende kehrte nach München zurück und heiratete 1989 die japanische Übersetzerin Mariko Sato, die ihm in seiner Arbeit half und seine Werke ins Japanische übersetzte. Ende fühlte eine enge Verbindung zu Japan, das er regelmäßig besuchte.
Der kreative Erfolg brachte ihm jedoch kein Glück. 1988 erfuhr Michael, dass sein Agent ihn jahrelang betrogen und Schulden auf seinen Namen angehäuft hatte. Ein kleines Erbe von seinem Vater wurde beschlagnahmt, und der bekannte Kinderbuchautor wurde zum Bankrott erklärt.

Eine stürmische Kindheit
Wie bereits erwähnt, hinterließ die Behandlung der Kunst seines Vaters durch das NS-Regime bei Michael Ende tiefe Spuren. Schon früh lernte er, über das, was zu Hause geschah, zu schweigen. Neben den Fantasiewelten seines Vaters faszinierte ihn ein Nachbar, der Künstler Franz Reinhard, dessen Gesicht durch einen Selbstmordversuch entstellt war, aber bei den Kindern sehr beliebt war. Reinhard erzählte ihnen Märchen und selbst erfundene Geschichten. Michael erinnerte sich an seinen „teuflischen Blick“ und ein Haus voller Zeichnungen verschiedener Märchenfiguren, die seine Vorstellungskraft für die späteren fantastischen Welten inspirierten.
Der junge Michael wurde Zeuge der gewaltigen Macht des Hitler-Regimes, was in ihm Gedanken über die verführerische Anziehungskraft dunkler Magie weckte, wie Endes Biografin Birgit Dankert schrieb. In den geheimen Ecken seiner kindlichen Fantasie begegneten sich dunkle Gedanken mit Freundlichkeit und einem fröhlichen Wesen.
1945 erhielt Michael den Einberufungsbefehl, das Reich, das sich bereits im Niedergang befand, zu verteidigen. Doch die freiheitlichen Ansichten der Künstler, unter denen er aufwuchs, führten dazu, dass er sich dieser Pflicht entzog und sich der Bayerischen Freiheitskampagne anschloss. Michael wollte nicht einem System dienen, das ihm einen großen Teil seines Lebens die Freiheit genommen hatte.

Endes letzte Botschaft
So lautete der Titel einer japanischen Dokumentation über Ende, die am 4. Mai 1999 ausgestrahlt wurde und großes Interesse weckte. Der Film enthielt auch das letzte Interview, das er im Februar 1994 dem japanischen Fernsehen gab, in dem er wirtschaftliche und monetäre Fragen ansprach – ein Thema, das sich auch in seinem Meisterwerk Momo findet.
Ende war der Ansicht, dass kulturelle Probleme nicht gelöst werden könnten, solange das Geldproblem ungelöst bleibt. In Japan wurden die meisten Exemplare seiner Bücher gedruckt, darunter auch Ausgaben, die auf Deutsch gar nicht existieren. Seine Gedanken über Geldsysteme, Wirtschaft und ihren Bezug zur Kultur fanden in Japan besonderen Anklang.
Ende suchte nach einem Weg, der „Tyrannei des Geldes“ ein Ende zu setzen. Er traf sich mit zahlreichen Experten, Künstlern, Wissenschaftlern, Politikern und Ökonomen, um mit ihnen zu diskutieren. Besonders in Erinnerung blieb ihm das Gespräch mit dem Schweizer Wirtschaftspolitiker und Ökonomen Hans Christoph Binswanger.
Dieser meinte, dass das grenzenlose Wirtschaftswachstum den menschlichen Wunsch nach Unendlichkeit ausdrückt. Dieses Verlangen hat sich vollständig in den materiellen Bereich verlagert und kann daher nie erfüllt werden – wie im Mittelalter, als man versuchte, Blei in Gold zu verwandeln. Binswanger interpretierte auch Goethes Faust, in dem der alchemistische Prozess die moderne Wirtschaft erklären könne.
Ende griff diese Idee auf und erklärte, dass Alchemie laut Goethe kein Aberglaube des Mittelalters sei. In der Gegenwart werde sie konsequenter als je zuvor praktiziert, indem die Alchemie mit der gesamten Erde experimentiere. Dieses gigantische Experiment sei die moderne Wirtschaft. Etwas wachse ständig und komme hinzu. Doch im Prozess werde nichts zum Ausgleich reduziert. Dies, so Ende, sei Alchemie – der Prozess, etwas aus dem Nichts zu schaffen.