8 Februar 2026

Die pharmazeutische Branche des alten Bayerns

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Das Apothekenwesen hat eine lange Geschichte, die tief in die Antike zurückreicht. In Europa entstanden die ersten Apotheken im Mittelalter, insbesondere in Klöstern, wo Mönche Medikamente für die Kranken herstellten. Bayern, als eines der Schlüsselländer des Heiligen Römischen Reiches, war da keine Ausnahme. Die ersten Apotheken in dieser Region entstanden unter dem Einfluss der Klostermedizin, der Alchemie und der allmählichen Entwicklung des Handels. Aber was genau wurde in den ersten bayerischen Apotheken verkauft? Dieser Text beleuchtet das Sortiment der Waren, die man in den Apotheken Bayerns im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit finden konnte, und erklärt zudem, wie sich diese Einrichtungen entwickelten. Weiterlesen auf imunich.eu.

Klosterapotheken: Der Beginn des Weges

Im Mittelalter (5.–11. Jh.) waren Medizin und Pharmazie in Bayern, wie in ganz Europa, stark von den Klöstern abhängig. Die Mönche, die sich mit der Heilkunde befassten, bauten in den Klostergärten Heilpflanzen an und stellten daraus verschiedene Mittel her. In den ersten Apotheken, oft „officina“ (von lat. „Werkstatt“) genannt, wurden Heilkräuter und Arzneien verkauft. Am weitesten verbreitet waren Pflanzen wie Kamille, Minze, Salbei, Johanniskraut, Baldrian und Wermut. Sie wurden getrocknet, zerkleinert und zur Herstellung von Aufgüssen, Abkochungen und Tees verwendet.

Salben und Balsame waren sehr gefragt. Sie wurden auf der Basis von tierischen Fetten, Bienenwachs und ätherischen Ölen hergestellt. Zum Beispiel wurden Salben aus Arnika oder Ringelblume zur Wundheilung und zur Linderung von Entzündungen eingesetzt.

Auch Pulver und Tinkturen wurden verkauft. Die Mönche mischten zerkleinerte Kräuter mit Wein, Essig oder Honig und stellten so Tinkturen zur innerlichen Anwendung her, die als wirksam gegen Fieber, Schmerzen oder Verdauungsprobleme galten.

Diese Mittel wurden oft kostenlos an Bedürftige verteilt, und die Rezepte begannen mit der Phrase „Cum Deo!“ (Mit Gott!), was den religiösen Kontext ihrer Herstellung unterstrich.

Der Einfluss der Alchemie und die Verkomplizierung der Rezepte

Im Mittelalter (12.–15. Jh.) beeinflusste die Alchemie die Pharmazie in Bayern erheblich. Alchemisten suchten nicht nur nach dem Stein der Weisen, sondern auch nach einem Universallheilmittel – dem „Lebenselixier“. Dies führte zu einer Verkomplizierung der Rezepte, die Dutzende von Zutaten enthalten konnten. In bayerischen Apotheken begann man, mineralische Substanzen zu verkaufen: Salze, Schwefel, Quecksilber, Blei und Eisen wurden in kleinen Dosen als Medikamente verwendet. Zum Beispiel galt Eisensulfat als Mittel zur „Blutreinigung“.

Verkauft wurden auch exotische Zutaten: Mit dem zunehmenden Handel gelangten Gewürze und Substanzen aus Asien und Afrika nach Bayern, wie Safran, Ingwer, Nelken, Opium und Kampfer. Diese teuren Produkte wurden zur Behandlung von Fieber, Schmerzen und sogar als Aphrodisiaka verwendet.

Auch alchemistische Präparate wurden verwendet: Destillierte Essenzen, alkoholische Tinkturen und „Quintessenzen“ (konzentrierte Extrakte) galten als starke Heilmittel. Zum Beispiel wurde „Aqua Vitae“ (Alkohol) als Basis für viele Tinkturen verwendet.

Die Apotheker wahrten das Geschäftsgeheimnis ihrer Rezepte, was ihnen Autorität verlieh, aber mangels Standards manchmal auch zu Missbrauch führte.

Städtische Apotheken: Der Übergang zur Regulierung

Im 13.–14. Jahrhundert begannen in Bayern, wie auch in anderen Teilen Europas, städtische Apotheken zu entstehen. In Städten wie München, Nürnberg und Augsburg wurden Apotheken zu kommerziellen Einrichtungen, die von den Behörden reguliert wurden. Im Jahr 1241 erließ Kaiser Friedrich II. das „Edikt von Salerno“, das die Funktionen des Arztes und des Apothekers trennte, indem es Ärzten verbot, Apotheken zu besitzen. Dies förderte die professionelle Entwicklung des Apothekenwesens. Das in dieser Zeit eingeführte Apothekenmonopol erlaubte nur die Eröffnung einer einzigen Apotheke pro Stadt, und die Apotheker erhielten Privilegien: Befreiung von Steuern, vom Militärdienst und sogar das Recht, das Staatswappen auf ihren Schildern zu verwenden.

Die ersten Apotheken Bayerns verkauften ein breites Sortiment an Waren: von Kräutertees, Salben und Tinkturen bis hin zu exotischen Gewürzen, Mineralien, Süßwaren und sogar Giften in kleinen Dosen. Ihre Rolle entwickelte sich von den klösterlichen „officina“ zu regulierten städtischen Einrichtungen, die Medizin, Handel und Alchemie miteinander verbanden. Diese Entwicklung spiegelt wider, wie Bayern die europäischen Traditionen der Pharmazie adaptierte und damit die Grundlage für das moderne Apothekenwesen schuf.

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