9 Mai 2026

Die ambivalente Rolle von Ferdinand Sauerbruch

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Ferdinand Sauerbruch – einer der herausragendsten Chirurgen seiner Zeit. Er arbeitete in verschiedenen deutschen Städten und verbrachte 10 Jahre seines Lebens in München. Gerade hier entwickelte Sauerbruch seine chirurgischen Talente aktiv weiter und operierte bekannte Persönlichkeiten des öffentlichen und kulturellen Lebens. Der talentierte Arzt hatte jedoch auch eine dunkle Seite: Er unterstützte jahrelang das NS-Regime. In diesem Artikel erzählen wir über den berühmten deutschen Chirurgen und sein Leben in München. Weiter auf imunich.eu.

Lebensgeschichte

Sauerbruch wurde 1875 in Barmen geboren. Nach Tätigkeiten an chirurgischen Universitätskliniken in Breslau, Marburg und Greifswald wurde Sauerbruch von 1910 bis 1918 Professor für Chirurgie in Zürich. Während des Ersten Weltkriegs war er als beratender Chirurg tätig.

1918 wurde er Professor für Chirurgie in München und zehn Jahre später Direktor der chirurgischen Klinik “Charité”. In der Hauptstadt verbrachte er die meiste Zeit seines Lebens. Im Reichsforschungsrat war er für die Verteilung von Forschungsgeldern in der Medizin zuständig. Sogar nach 1945 wurde er auf seinen Posten in Berlin in der sowjetischen Besatzungszone zurückberufen.

1949 trat er aufgrund fortschreitender Demenz und auf Druck von Kollegen zurück. Er arbeitete jedoch weiterhin als Chirurg in einer Privatklinik in West-Berlin, und trotz zahlreicher Misserfolge bei Operationen konnte ihn niemand entlassen. Sauerbruch starb am 2. Juli 1951 an den Folgen eines Schlaganfalls.

Leben in München

1918 nahm Sauerbruch eine Einladung an, in München zu arbeiten, wo auf seinen Wunsch hin ein neuer Operationssaal mit Platz für die Sauerbruch-Kammer (Unterdruckkammer) gebaut wurde. Die Unterdruckkammer – eine Erfindung von Sauerbruch – ermöglicht es, einen künstlichen Druck aufrechtzuerhalten, um Operationen an der Lunge oder am Herzen durchzuführen. Dies war eine revolutionäre Lösung, die den Weg für die Entwicklung der Thoraxchirurgie ebnete.

Er wurde Professor für Chirurgie an der Universität München und Geheimer Rat des bayerischen Königs. Zudem erhielt er den Titel eines Generalchirurgen der Bayerischen Armee. Parallel zu seiner Tätigkeit an der Universität München leitete Sauerbruch seine eigene Privatklinik.

Er zog zusammen mit seiner Frau und seinen Kindern um. In München mieteten sie eine Villa, die in einem großen Garten lag. Auch einige seiner Kollegen aus Zürich, denen er vertraute, zogen mit dem Chirurgen um.

Die ersten Jahre in München waren für den Arzt nicht einfach. Er hatte viele Schulden angehäuft, aber Patienten, die in ausländischer Währung zahlten, halfen ihm, die Krisensituation zu überwinden. Bereits 1920 gelang es ihm, zusammen mit Schweizer Freunden ein Unternehmen zu gründen, das sich auf die Herstellung von Prothesen spezialisierte.

In München operierte er Erhard Auer, Tilla Durieux, die Tochter von Carl Duisberg und viele andere bekannte Persönlichkeiten. Nach dem Münchner Putsch behandelte er die verletzte Schulter von Adolf Hitler, obwohl Sauerbruch selbst sagte, dies sei nicht wahr.

Zu den prominenten Patienten des Chirurgen gehörte damals auch der Komponist Alexander von Hessen, der eine Messe für die Krankenschwestern des Krankenhauses schrieb. Dem deutschen Physiker Wilhelm Röntgen, dem Entdecker der Röntgenstrahlen, entfernte Sauerbruch einen kleinen Tumor am Hals.

1928 endete die „Münchner Ära“ des Arztes, als er nach Berlin berufen wurde. Eine Zeit lang versuchte er, beide Tätigkeiten zu vereinbaren: Von Montag bis Mittwoch hielt er Vorlesungen und operierte in Berlin, von Donnerstag bis Samstag arbeitete er in München. Schließlich wurde er müde und beschloss, die bayerische Hauptstadt zu verlassen.

Die ambivalente Rolle des Mediziners

Ferdinand Sauerbruch war einer der herausragendsten Chirurgen des 20. Jahrhunderts, gleichzeitig unterstützte er jedoch offen den Nationalsozialismus in öffentlichen Erklärungen und war Leiter der medizinischen Abteilung des Reichsforschungsrates. Paradoxerweise unterstützte Sauerbruch aber auch Opfer der NS-Verfolgung, versuchte seinen Einfluss geltend zu machen, um das Euthanasieprogramm „T4“ zu beenden, und äußerte privat Kritik an den Nationalsozialisten.

Seine Entwicklungen waren von enormer Bedeutung für die Entwicklung der Medizin. Er rettete Tausende von Leben und wurde zum Symbol der deutschen medizinischen Schule. Gleichzeitig behandelte er hochrangige Funktionäre des Dritten Reiches. Offiziell trat Sauerbruch nie in die NSDAP ein, sprach sich aber auch nicht offen gegen das Regime aus.

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