In der Nähe des Münchner Ostbahnhofs empfängt die Volkssternwarte München seit über 70 Jahren Besucher. Sie wurde 1947 auf dem Dach eines ehemaligen Bunkers errichtet und zählt heute zu den bekannten Sehenswürdigkeiten Münchens. In 35 Metern Höhe bietet sie eine wunderbare Aussicht und ein Panorama auf die Alpen, das besonders an klaren Tagen beeindruckend ist. Nachts eröffnet sich durch die leistungsstarken Teleskope ein weites Sternenmeer, berichtet imunich.eu.
Die Gegenwart
Die Volkssternwarte begann als bescheidene, gemeinnützige Initiative und entwickelte sich bald zu einer der bekanntesten und größten Sternwarten Deutschlands. Nur wenige Sternwarten bieten ihren Besuchern regelmäßige Abendführungen, die beinahe täglich stattfinden. Tagsüber empfangen sie Schulklassen und bieten vielfältige Programme für Familien.
Die heutige Münchner Volkssternwarte ist ein ganzer Komplex mit modernen Instrumenten, großen Teleskopen, einem Planetarium, Vortrags- und Ausstellungsräumen, einer Bibliothek, Laboren und Werkstätten. Ermöglicht wurde dies durch die Unterstützung des Münchner Kulturreferats und engagierter Aktivisten und Sponsoren.
Die Einrichtung zählt derzeit rund 600 Mitglieder, die sich der öffentlichen Aufgabe widmen, astronomisches Wissen zu verbreiten. Jährlich finden mehr als 500 Veranstaltungen statt, die etwa 25.000 Besucher anziehen – ein spannendes und lehrreiches Erlebnis zugleich.
Die Ausstellung für Besucher beschreibt detailliert alle Exponate: Mondgestein, Kometen- und Asteroidenfragmente – alle Gegenstände dürfen berührt werden.
Anschließend führt der Guide die Besucher zu den Hauptinstrumenten der Sternwarte – den Teleskopen auf dem Dach. Diese sind auf die hellsten Himmelskörper ausgerichtet, die je nach Jahreszeit beobachtet werden können: Im Januar ist es die Venus, im Frühling Saturn. Ein Besuch wird besonders bei klarem Wetter empfohlen, da der Sternenhimmel dann in seiner ganzen Pracht zu sehen ist.
Neben den Museumsexponaten ist das Planetarium ein beliebter Anlaufpunkt für die Besucher, die hier eine fesselnde Show erwartet. Das präzise Bild des Sternenhimmels wird auf die Kuppel in 4,5 Metern Höhe projiziert. Selbst bei schlechtem Wetter ermöglicht das Planetarium den Genuss eines klaren Sternenhimmels in bester Qualität.
Die Sternwarte ist täglich außer an Feiertagen geöffnet. Im Sommer von 9:00 bis 23:00 Uhr, im Winter von 8:00 bis 22:00 Uhr. Für ausländische Gäste werden montags Führungen auf Englisch angeboten.

Interessantes
Der erste Stein für die Münchner Sternwarte wurde 1946 gelegt. Damals veröffentlichte eine Lokalzeitung eine Anzeige zur Suche nach astronomischen Enthusiasten für regelmäßige Treffen. Ein Jahr später gründete sich eine kleine Gruppe von Menschen mit gemeinsamen Interessen, die auf dem Dach des ehemaligen Bunkers Beobachtungsinstrumente installierten und einen Raum von sechs Quadratmetern mieteten. So entstand im Dachgeschoss des Gebäudes ein kleiner Klubraum.
Die erste Führung fand am 31. Mai 1947 statt. Dafür wurde ein Teleskop mit einem optischen Durchmesser von 50 mm genutzt. Dieses Datum gilt als offizieller Geburtstag der Bayerischen Volkssternwarte, die 2023 ihr 76-jähriges Bestehen feierte.
Seit ihrer Gründung hat die Sternwarte vier Teleskope erworben: zwei Reflektoren und zwei Refraktoren mit einer Optik von bis zu 80 cm. Außerdem gibt es ein historisches 10-cm-Refraktor-Teleskop, mehrere tragbare 10- bis 20-cm-Teleskope und ein großes Fernglas.
Die Teleskope der Sternwarte ermöglichen klare Blicke auf Mondberge und -krater, die Ringsysteme des Mars, Jupiters und Saturns sowie die Oberflächen ferner Himmelskörper und Monde. Bei klarem Wetter lassen sich auch entfernte Nebel, Sternhaufen und Galaxien erkennen.
Zu den Neuheiten der Bayerischen Volkssternwarte gehört ein neuer, barrierefreier Reflektor mit einem Durchmesser von 50 cm – das zweitgrößte Teleskop nach dem 80-cm-Teleskop. Der Cassegrain-Reflektor zählt zu den größten in Mitteleuropa. Zur feierlichen Inbetriebnahme 2005 übernahm Oberbürgermeister Christian Ude den Start des leistungsstarken Geräts. Es steht in einem speziellen Raum (3 x 3 m), wird computergesteuert und bietet eine ausgezeichnete Bildqualität entfernter Galaxien und Nebel.
Der Fraunhofer-Teleskop, das kleinste in der Ausstattung der Münchner Sternwarte, beeindruckt die Besucher ebenfalls durch seine Leistungsstärke und ermöglicht detailreiche Ansichten von Mond, Sonne und anderen Planeten.

Unterhaltung in der Sternwarte
Die Aussichtsplattform auf 35 Metern Höhe bietet an klaren Tagen eine atemberaubende Aussicht auf die Alpen und München. Die Plattform und mehrere Teleskope ermöglichen es den Besuchern, ohne Warteschlangen einen Blick auf den Sternenhimmel zu werfen.
2020 wurde ein 50-cm-Reflektor-Teleskop mit eigener Kuppel fertiggestellt. Der Blick in einem Meter Höhe macht das Teleskop barrierefrei, sodass die Besucher auch im Sitzen beobachten können.
2021 wurde das Planetarium barrierefrei umgebaut, ebenso die gesamte Münchner Sternwarte. 2007 verfolgten über 200 Besucher hier eine totale Mondfinsternis. Das Video-Observatorium mit Live-Stacking-Technik ermöglicht es den Gästen, in Echtzeit zu erleben, wie das Licht entfernter Galaxien zu Bildern wird.
Selbst bei schlechtem Wetter lässt sich im Planetarium, das über 32 Plätze verfügt, der Sternenhimmel beobachten. Hier kann man den aktuellen Stand der Sternbilder, Sonne, Planeten und Mond nachvollziehen.
Auch für die Kleinsten wird gesorgt. Für Schulklassen, Geburtstagsfeiern und den Kinder-Planetarium gibt es eigene Räume. Kinder erleben „Münchner Sternstunden“. Hier finden auch Buchpräsentationen, Konferenzen und Veranstaltungen statt, mit dem Universum als Hintergrundbild.
Der Vortragssaal bietet Platz für 64 Personen, hat eine große Leinwand (3 x 2,5 m) sowie Projektoren für Diashows und Videopräsentationen. Sollte das Wetter während einer Führung umschlagen, werden hier Filme über das Weltall gezeigt.
Der Gemeinschaftsraum eignet sich für Partys, Workshops, Treffen, Geburtstage und Vorträge. Außerdem gibt es eine voll ausgestattete Küche und ein Café. Für zusätzliche Atmosphäre wurde die Decke mit Sternenlicht ausgestattet.

Bildung
Die Münchner Volkssternwarte bietet allen Astronomieliebhabern Lernmöglichkeiten, auch ohne Vorkenntnisse. Die Clubmitgliedschaft ist nicht verpflichtend, jedoch können Mitglieder kostenlos an Kursen teilnehmen. Die Kurse decken verschiedene theoretische und praktische Fachgebiete ab und werden von qualifizierten und erfahrenen Dozenten geleitet.
Ein regelmäßiger Kurs ist „Praktische Astronomie“ von Martin Elsässer und Markus Benz, der in verständlicher Weise astronomische Beobachtungen vermittelt. Alle Interessierten lernen hier, die Kenntnisse selbstständig für eigene Beobachtungen einzusetzen. Die Dozenten zeigen den praktischen Umgang mit verschiedenen Teleskopen und Ferngläsern. Allen Teilnehmern stehen notwendige Literatur, Software und Internetzugang zur Verfügung.
Ein weiterer Kurs, „Die Welt der Sterne“ von Oliver Winkler, bietet einen allgemeinen Einstieg in die Astronomie. In drei Abenden werden zahlreiche Darstellungen von Himmelskörpern, Sonne, Planeten, Monden, Galaxien und Nebeln erläutert.
Ein zusätzlicher Kurs, „Wo befindet sich der Andromeda-Nebel? Einführung in die visuelle Beobachtung des Himmels“, wird von der Leitung der Münchner Volkssternwarte angeboten. Die Teilnehmer erhalten leicht verständliche Anleitungen zur Himmelsbeobachtung, erfahren mehr über Himmelsphänomene und Orientierungspunkte am Sternenhimmel und bekommen spezielle Handbücher zur Beobachtung.