Curd Jürgens – ein herausragender österreichischer Schauspieler deutsch-französischer Herkunft, der im Theater und Kino des 20. Jahrhunderts bedeutende Spuren hinterlassen hat. Dank seines Charismas, seiner hohen Schauspielkunst und seiner imposanten Erscheinung (Größe 1,92 m) wurde er zu einem der strahlendsten Stars des europäischen und Hollywood-Kinos. Seine Karriere umfasst Dutzende Rollen in Filmen verschiedener Genres – von Dramen und Kriegsfilmen bis hin zu Komödien und Spionagethrillern, wie die Rolle des Bösewichts Karl Stromberg im James-Bond-Film „Der Spion, der mich liebte“ (1977). Dieser Text widmet sich der Biografie von Curd Jürgens, seinem Lebensweg, seiner Karriere und seinem Einfluss auf die Filmkunst. Weiter auf imunich.eu.
Kindheit und Jugend
Curd Jürgens wurde am 13. Dezember 1915 im Münchner Stadtteil Solln geboren, das damals zum Königreich Bayern, Deutsches Reich, gehörte. Sein Vater, Kurt, war ein erfolgreicher Kaufmann aus Hamburg, und seine Mutter, Marie-Albertine, war eine französische Lehrerin. In der Familie gab es auch zwei ältere Zwillingsschwestern, Jeanette und Marguerite. Die Familie Jürgens war wohlhabend, was Curd eine komfortable Kindheit sicherte. Seine frühen Jahre waren jedoch nicht mit der Schauspielerei verbunden: Er träumte vom Journalismus und arbeitete in seiner Jugend als Reporter. Diese Erfahrung entwickelte bei ihm Beobachtungsgabe und die Fähigkeit, mit Menschen zu kommunizieren, was ihm später in seiner Schauspielkarriere zugutekam.
Das Interesse an der Schauspielerei entstand dank seiner ersten Frau, der Schauspielerin Louise Basler, die ihn überredete, sich auf der Bühne zu versuchen. Jürgens erlernte die Schauspielkunst an der Schule von Willi Forst beim UFA-Filmstudio, das in den 1930er Jahren ein führendes Zentrum des deutschen Kinos war. Sein natürliches Talent und sein Charisma erregten schnell Aufmerksamkeit, und 1934 begann er, in Theatern in Deutschland und Österreich aufzutreten.
Karrierebeginn und Zweiter Weltkrieg

Jürgens‘ Filmdebüt fand 1935 statt, als er die Rolle des Kaisers Franz Joseph im Film „Königswalzer“ spielte. Seine hohe Statur, sein ausdrucksstarkes Äußeres und seine natürliche Anmut passten ideal zu historischen Rollen, doch in den 1930er Jahren spielte er hauptsächlich Nebenrollen. 1944 wurde seine Karriere wegen offener Kritik am Nationalsozialismus unterbrochen. Das NS-Regime stufte ihn als „politisch unzuverlässig“ ein und schickte ihn in ein Arbeitslager. Jürgens gelang die Flucht, und nach dem Krieg nahm er die österreichische Staatsbürgerschaft an, was es ihm ermöglichte, Verfolgung zu entgehen und seine Karriere fortzusetzen.
Nachkriegserfolg und internationale Anerkennung

Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte Curd Jürgens zur Schauspielerei zurück und konzentrierte sich auf das Theater in Berlin und Wien. Sein Durchbruch gelang ihm 1955, als er die Hauptrolle im Film „Des Teufels General“ unter der Regie von Helmut Käutner spielte. Die Rolle des Fliegers Ernst Udet brachte ihm eine prestigeträchtige Auszeichnung bei den Filmfestspielen von Venedig ein und öffnete ihm die Türen zu einer internationalen Karriere. Dieser Film, der von den moralischen Dilemmata eines deutschen Offiziers während des Krieges erzählt, wurde zu einem Klassiker des deutschen Kinos und festigte Jürgens‘ Status als Schauspieler, der fähig ist, komplexe psychologische Charaktere darzustellen.
1956 spielte Jürgens im französischen Film „Und Gott erschuf die Frau“ (Et Dieu… créa la femme) an der Seite von Brigitte Bardot, die ihm wegen seiner Größe und kräftigen Statur den Spitznamen „normannischer Kleiderschrank“ gab. Diese Rolle brachte ihm Popularität in Frankreich und erregte die Aufmerksamkeit Hollywoods. 1959 spielte er Professor Immanuel Rath im Remake des klassischen Films „Der blaue Engel“ (The Blue Angel), was seinen Ruf weiter festigte.

Der Film „Und Gott erschuf die Frau“ war jedoch ein Ereignis einer ganzen Kinoepoche. Er wurde von Regisseur Roger Vadim gedreht und wurde zu einem Meilenstein in der Kinogeschichte, der Brigitte Bardot zum Sexsymbol der 1950er Jahre machte und eine neue Ära in der Darstellung weiblicher Sexualität auf der Leinwand einleitete. Dieses französische dramatische Melodram, das Sinnlichkeit, Provokation und psychologische Tiefe vereint, brachte nicht nur seinen Hauptdarstellern Weltruhm, sondern beeinflusste auch kulturelle und kinematografische Trends und wurde zum Vorboten der sexuellen Revolution der 1960er Jahre.
Der Film war das Regiedebüt von Roger Vadim. Er wich bewusst von den strengen moralischen Grenzen ab, die dem Kino jener Zeit eigen waren, und zeigte weibliche Sexualität offen und ohne Verurteilung. Die Dreharbeiten fanden im Mai-Juni 1956 statt. Vadim arbeitete schnell, da Curd Jürgens nur zwei Wochen verfügbar war und die Szenen mit Bardot in 1-2 Takes gedreht wurden, um ihre Natürlichkeit zu bewahren.
Der Film löste gemischte Reaktionen aus. In den USA stieß er wegen freizügiger Szenen auf Zensur, und in Memphis wurde seine Vorführung sogar verboten. Kritiker merkten an, dass der Film die Grenzen des Erlaubten verschoben und die französische „Nouvelle Vague“ (Neue Welle) sowie die weitere Entwicklung des Kinos beeinflusst habe.
Hollywood und Weltruhm

In den 1960er und 1970er Jahren drehte Jürgens aktiv in Hollywood und im europäischen Kino und übernahm oft Rollen als charismatische Antagonisten oder Autoritätspersonen. Seine bekannteste Rolle war die des Bösewichts Karl Stromberg im James-Bond-Film „Der Spion, der mich liebte“ (1977). Stromberg, der plant, die Welt zu zerstören und eine neue Zivilisation unter Wasser zu schaffen, wurde zu einem der denkwürdigsten Bösewichte der Reihe. Jürgens spielte auch in anderen bedeutenden Filmen mit, wie „Luftschlacht um England“ (1969), „Duell im Atlantik“ (1957) und „Die Dreigroschenoper“ (1963).
Seine Schauspieltechnik zeichnete sich durch Präzision, feine Nuancierung und die Fähigkeit aus, vielschichtige Charaktere zu schaffen. Jürgens konnte gleichzeitig streng und sensibel, ironisch und dramatisch sein, was ihn zu einem vielseitigen Schauspieler machte. Er arbeitete mit Regisseuren wie Robert Siodmak, Dick Powell und Roger Moore zusammen, und seine Partner am Set waren Weltstars wie Alain Delon und Brigitte Bardot.
Privatleben
Jürgens‘ Privatleben war nicht weniger turbulent als seine Karriere. Er war fünfmal verheiratet, aber keine der Ehen brachte ihm Kinder. 1957 hatte er eine kurze, aber intensive Affäre mit der Schauspielerin Romy Schneider, die deutlich jünger war als er. Jürgens war berühmt für seinen Charme und seine Fähigkeit, Herzen zu erobern, aber seine Beziehungen wurden oft durch seinen vollen Terminkalender und seinen schwierigen Charakter kompliziert.
In seinen späteren Jahren litt Jürgens an Herzproblemen. Nach einem Herzinfarkt in den 1970er Jahren behauptete er, eine Nahtoderfahrung gemacht zu haben, bei der er „in der Hölle gewesen“ sei. Diese Episode beeinflusste seine Weltanschauung tiefgreifend, hinderte ihn jedoch nicht daran, seine aktive Karriere fortzusetzen.
Letzte Jahre und Vermächtnis
Curd Jürgens blieb bis an sein Lebensende ein aktiver Schauspieler, drehte Filme und trat auf der Theaterbühne auf. Er kehrte oft nach Wien zurück, wo er es liebte, im Theater zu spielen. Am 18. Juni 1982 starb er in Wien an einem Herzinfarkt und hinterließ ein Erbe von über 100 Filmen. Er wurde auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt.
Jürgens ging als einer der herausragendsten Schauspieler des deutschsprachigen Kinos in die Geschichte ein. Seine Arbeiten in Filmen wie „Des Teufels General“, „Und Gott erschuf die Frau“ und „Der Spion, der mich liebte“ bleiben Klassiker. Er war nicht nur ein Schauspieler, sondern auch ein Symbol einer Ära, die europäische Eleganz mit Hollywood-Glamour verband. Sein Beitrag zur Filmkunst inspiriert weiterhin Schauspieler und Regisseure, und sein Image als „normannischer Kleiderschrank“ bleibt einzigartig in der Kinowelt.
Verwendete Quellen: imdb.com, britannica, n-tv.de.